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Irène Némirovsky war eine auf Französisch schreibende Schriftstellerin. Sie wurde 1903 als Tochter eines reichen jüdischen Bankiers in Kiew geboren und wuchs in Sankt Petersburg auf. Némirovsky schrieb 38 Erzählungen, eine Biografie Tschechows und neun Romane, von denen besonders Suite française, lange nach ihrem Tod veröffentlicht, zu einem internationalen Erfolg wurde. Némirovsky wurde von einem französischen Kindermädchen großgezogen. Neben dem Französischen sprach Némirovsky Russisch, Jiddisch, Baskisch, Finnisch, Polnisch und Englisch. Nach der Russischen Revolution floh die Familie 1918 nach Paris. Im Alter von 18 Jahren begann sie zu schreiben, sie studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne. Ihr erster Roman L’Enfant génial erschien 1928 und löste heftige Antisemitismusvorwürfe aus. Jahre später bereute Némirovsky ihn, gab sie einmal zu. Sie heiratete den Bankier Michel Epstein, zwei Töchter wurden geboren. 1929 erschien David Golder, ein sofortiger Erfolg und bald darauf von Julien Duvivier verfilmt. Trotz ihrer Kontakte zu hohen politischen Amtsträgern des rechten Spektrums und ihrem Ansehen in den höchsten literarischen Kreisen wurde ihr Antrag auf die französische Staatsbürgerschaft 1938 abgelehnt. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs erhielt ihr Mann Arbeitsverbot, ihre Bücher wurden verboten. Némirovsky weigerte sich Frankreich zu verlassen, doch musste schließlich aus Paris fliehen. In den Jahren 1935 bis 1942 schrieb sie ohne Unterlass. Es entstanden Die süße Einsamkeit, Jesabel, Zu zweit, Die Familie Hardelot, Suite française, Leidenschaft. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky von der französischen Polizei „als Staatenlose jüdischer Herkunft“ festgenommen. Trotz der enormen Bemühungen ihres Ehemanns um Némirovskys Freilassung, starb sie einen Monat später in Auschwitz. Michel Epstein wurde kurz Zeit später nach Auschwitz deportiert und getötet. Ihre beiden Töchter überlebten den Krieg in Obhut einer christlichen Familie, bei sich einen Koffer voller Manuskripte, den die ältere Tochter nach fünfzig Jahren als solche identifizierte. Suite française erschien 2004 und erreichte Bestsellerstatus; zum ersten Mal in der Geschichte des Prix Renaudot wurde der Preis an einen posthum erschienenen Roman vergeben.

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