Gethsemane

Karsten Kredel On:

Gethsemane von Ralf Rothmann

Diese Erzählung – sie ist ein Wunderwerk, und ich kann nicht wirklich mehr über sie sagen, als dass sie beunruhigend ist, sehr schön, von perfekter Klarheit und dabei doch so rätselhaft wie das Leben selbst – oder wie es uns in den besten Büchern, die uns begegnen, erscheint. Ralf Rothmann drückte es selbst einmal so aus: „Literatur nun ist, wenn das Ungesagte trotzdem im Gesagten gegenwärtig bleibt, wenn es mitklingt auf eine Weise, die uns bei aller Vernehmlichkeit traumhaft vorkommt und uns das Gefühl innerer Entzweiung nimmt. Darum ist der Zustand des Lesens oft so beseligend, denn wir vollbringen ohne grosse Mühe das Unmögliche, wir vereinigen das sogenannte Subjekt mit dem sogenannten Objekt: Wir sind völlig konzentriert, ganz da – und gleichzeitig ganz woanders.“