Gläserrücken mit der Stasi

Nikola Richter On:

Gläserrücken mit der Stasi von Sarah Khan

Wenn Sarah Khan schreibt, entwickelt sie oft eigene Genres, wie die Gespenster-Reportage in ihren „unheimlichen Geschichten“ über „die Gespenster von Berlin“. Mit Akribie und persönlichem Einsatz, mit Archivbesuchen und Vor-Ort-Interviews erforscht die Autorin Orte, an denen es in Berlin angeblich spukt oder spukte. Sie steigt in historische Tatsachen ein, aber kümmert sich auch auch um zeitgenössische Gerüchte und die Erinnerungen anderer. Hart an der Grenze zur Fiktion, aber immer glaubhaft, weil durch die Autorin verkörpert, macht sie so etwas wie unzuverlässige Geschichtsschreibung. So kommt sie etwa auch in „Gläserrücken mit der Stasi“ dem DDR-Überwachungssystem nahe, weil sie berichtet, wie die Kräfte einer Wahrsagerin dem Staat gefährlich wurden. Geschichte ist wesenlos und unsichtbar, aber ihre Spuren bleiben an Orten und in Körpern bestehen.