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Sonntag

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Sonntag von Irène Némirovsky

Ein Sonntagmorgen, der in aller Festlichkeit den weiblichen Lebenszyklus wiederspiegelt und vom Ausgeliefertsein erzählt. Némirovsky beschreibt wuchtig und sehnsuchtsvoll zwei Generationen von Frauen, die beide auf ihre Art Gefangene der Liebe sind: Auf der einen Seite die Mutter, die von den Frustrationen genug hat, nur noch nach Ruhe verlangt. Auf der anderen Seite die Tochter, vor der sich die Liebe mit all ihren Enttäuschungen und Entzauberungen zum ersten Mal auftut. In diesem Kreislauf kommt so etwas wie ein Mythos zur Sprache, eine Legende, die vom Schicksal der Frauen erzählt, davon, verurteilt zu sein, im Schatten fauler und verräterischer Männer leben, ihre Kinder gebären und immer bloß im Wohnzimmer warten zu müssen, während die sich mit ihren Geliebten vergnügen. Die Schönheit und Melancholie, die diese Erzählung durchströmen, die Stimmen der Figuren, in denen sich das Echo so vieler Menschen vernehmen lässt, und diese Welt voller Licht, die Némirovsky erschafft – das alles macht diese Erzählung zu einem Meisterwerk.